Samstag, 7. August 2010

Maya Rinderer (Österreich); Enkelin Frieden


Wenn ich groß bin hoffe ich sehen zu können,
wo meine Großmutter geboren wurde, in
Halab, aber da wo ich jetzt wohne sagen sie
Aleppo. Und ich war nie dort. Ich darf nicht.

Sie erzählte mir von den glatten schmalen
Steinen, mit denen die Straßen gepflastert –
Und sie war ein Kind, einmal mal blond und
sonstmal mal dunkel: ja immer das schönste.

Ich hasse die Mauer. Mauern sind schon ein-
sind schon eingestürzt. Sie soll ein-aus-fallen.
Ich war nie am Checkpoint. War in der Orange.
Und ich knüpfe Freundschaften absichtlich.

Weil ich es so dumm finde, sinnlos, kindisch,
wir alle sind böse und niemand ist gut, denn
wir sind Menschen und alle sind Menschen
und Menschen sind einfach böse. Nicht friedlich.

Wer isst den fruchtbaren Halbmond wie eine
Wassermelone. Der Saft tropft über mein Kinn.
Hebräisch ist meine Muttersprache; jedoch ist
Arabisch meine Großmuttersprache. Nur Worte.

Und um das zu erwähnen: Deutsch ist meine
Vatersprache. Eine meiner Großvatersprachen
ist Ungarisch. Und Großvater Ungarn hatte Krieg
und dann aß er die Wassermelone im Krieg auch.

Da gibt es Leute, die sagen Pazifistin wie spucken.
Als ob Pazifistin ein Schimpfwort wäre. Was bin?
Alles sind Dinge aus Wort. In Menschensprachen.
Wir sagen so viel, was uns dann kaputt macht.


(20,0 P.)

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