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Donnerstag, 3. März 2011

Gunda Jaron: Sein Brief

Sein Brief -
grauschwarze Worte, vergilbtes Papier:
Weihnachten bin ich wieder bei dir ...
 
Sein Brief -
zerknittert vom Ent- und Zusammenfalten,
vom tausendfach In-den-Händen-halten,
 
vom tausendmal Lesen. Links oben im Eck
erinnert verblassend ein Rotweinfleck
 
daran, dass alles um sich sie vergaß,
als sie mit klopfendem Herzen sie las,
 
die Worte, die er ihr aus Russland geschrieben,
die Worte, die alles sind, was ihr geblieben.
 
Sein Brief -
die Ränder von haarfeinen Rissen gesäumt,
die Tinte verlaufen, als hätt' er geweint ...
 
Sie starrt auf die Zeilen, längst tränenleer. Stumm
formen die Lippen: Warum nur, warum?
 
Sein Brief -
sie legt ihn ins Kästchen mit zitternder Hand.
Gefallen im Kampf für sein Vaterland ...
 
:
 
Großvaters Brief -
Sie gab mir das Kästchen, es steht jetzt vor mir.
Ich streich' mit den Fingern zart das Papier.
 
Ihr Wort sollte mir in Erinnerung bleiben:
Möge dir niemand solch' Zeilen je schreiben ...
 
:
 
Ach, mein Sohn ...

Freitag, 14. Januar 2011

Jaron Gunda, eiskalt

Nein, lass nur ...
Ich brauche kein flackerndes Kaminfeuer.
Nicht die Kühle im Raum
lässt mich erschaudern.

Nein, lass nur ...
Ich brauche keinen wärmenden Mantel.
Nicht der eisige Januarwind
ist schuld an meinem Frösteln.

Nein, lass nur ...
Ich brauche keinen heißen Tee.
Nicht die Erkältung
bringt mich zum Zittern.

:

Der Blick in die Zeitung ist es,
der mich frieren lässt:

angstvolle Augen,
deren Tränen ich nicht trocknen kann,
aufgerissene Münder,
deren Schreie mir in den Ohren dröhnen,
trauernde Mütter,
die ich nicht tröstend umarmen kann,
denn es gibt keinen Trost.

Frieden ist es, den wir brauchen.
Oder wenigstens die Hoffnung darauf.

Kannst du mir die geben?
Nein? Dann lass nur ...