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Donnerstag, 16. Juni 2011

Jürgen Polinske: Schlösser nicht, nicht Katen


Denkmale im Dorf

Das Auto stoppt, wir müssen wenden
sind durch den Ort hindurch, parken
ziehen zum Vergangenen hin, wie beschlossen
Im Milital soll unser Wandern enden

Ein Denkmal vor dem Friedhof steht
gewidmet Helden, jüngster Zeit
Toten des großen Krieges Nummer Zwei
Auch jenen, die es vom Himmel geweht

Weiß und sauber ist das Gestein
gestochen und so schwarz die Schrift
100 Meter von der Stelle verspricht Kafeneon
uns Rast. Hier beginnt der Weg ins Dorf hinein

Schutt liegt am Boden. Darauf fällt Licht
Stühle liegen, schon sehr alt,
jedem fehlt ein Bein …
Sorbas und Sirtaki? – Überall, hier nicht!

Montag, 13. Juni 2011

Jürgen Polinske: Der Fluss


Niedergebrannte Olivenbäume.

I.

Die Bombenlücke in der Häuserzeile

In Omas Küche das Granatsplitterloch
Der verkittete Durchschuß im eichenen Bücherschrank
-
Aus Opas Augen schoss Mündungsfeuer, manchmal
Omas Lippen pressten zur Ruhe sich
Hart gegeneinander





II.
Zwischen Königsgraben und Fluß
Auf den Nuthewiesen, am Eichenhain
Wir hockten in Höhlen, selbstgebauten, lauschten
Wie Wasser und
Wind im bremsenden Blattwerk
Vermischen ihr Rauschen
-
Ich hör diesen Ton
Sehe die Sonne über den Bäumen
Den Kiebitz seh ich auf seinem Gelege
Bis hinein in den Schlaf
Seh ich uns spielen
In Höhlen, nicht Unterständen
Und sehe
In der Häuserzeile
die Bombenlücke

Donnerstag, 9. Juni 2011

Jürgen Polinske: Von Ritsos zu Ritsos bei Minos vorbei


                    I
Und wenn der Weg weit ist
Er wird mir nicht lang
Mit Aphrodite am Arm
ist es Schlendern, mit Pausen
im Baumschatten ruhen
ein Küssen vor aller Augen, am Meer
- Sie war dort geboren -
Aus Schaum, aus Wirbeln, aus Sand sind Zeichen
Der Strand versichert sich unserer Haut
-
und immer nur Zwei sind in einem Cafe
und Zwei nur auf einer Bank



II
Von Ritsos zu Ritsos bei Minos vorbei
und der Weg mag weit sein
mir wird er nicht lang
Ich sehe Kavafis
stehen, mutlos lächeln durch das Glas einer Tür
sie jedoch nicht durchschreiten
Im Cafe, am Tisch gegenüber schreit Miller:
„Keinen Kaffee, keinen importierten Wein!“
Er rast und reißt Seferiades mit sich
Neruda arbeitet unbeeindruckt davon
Am Klavier Theodorakis bleibt auch
Sie bauen Worte und Noten
ein Großer Gesang:
Vom Lieben
über die Heimat
von der Verwegenheit der Wege
und den großen Traum
daß kein Blut nötig ist
und bei Minos kein Schwert

Jürgen Polinske: Ein ureigener Duft


für Achim D.


Einst, hartheiß umkämpft
das Kloster Arkadi
Auf dem Weg dorthin
ist Rast in Spili
Der Ort reibt sich noch Schlaf aus den Augen
Kaffeneonplätze sind frei
Ein Bäcker lockt
Wie eine Schleppe hängt uns Brotduft an

Wieder im Bus
Der rollt an, Richtung Arkadi
Es raschelt Papier
Plötzlich ist es
als sei der Bäcker zugestiegen
eröffnet seinen Laden
Der Nächste bricht Brot, reicht es der Runde
Im Bus duftet Frieden

Mittwoch, 8. Juni 2011

Jürgen Polinske: Nachmittag im alten Viertel


Kein Kaffeneon ohne Tische im Freien
Eine Nebenstraße in der Sonne
Sie beleuchtet warm die Nachrichten von gestern,
gilbt Zeitungsweiß, bleicht die Schrift
Die beiden Alten lesen nicht
Zwischen ihnen ein Teller Trauben
Sie schweigen dem Radio zu,
gehen dem Tod keinen Schritt entgegen und
dem ist der Weg zu weit noch zu ihnen
Ihm würde warm

Dann -
Die zwei Mütter, schwatzen
Die zwei Wagen, stehen
Seite an Seite die zwei Kinder darin
schreien, lachen, weinen, schlafen,
leben

Dienstag, 7. Juni 2011

Jürgen Polinske: Nichts als dies, sage ich Euch:


Ruft mich
Kassandra!
Glaubt nur nicht!
Mir ist es gleich
Mit Liebe, Licht und Dichtkunst
erschaffe ich meine Welt
Warme Städte, menschenfreundliche Häuser darin
mit Ausblicken von Balkonen auf Wälder, zum Meer
oder kleinen Gärten davor
Mädchen und Jungen arbeiten gemeinsam, malen
machen Sport, auch Musik, lachen an Tischen
wie Sonne in ihrem Wein in ihren funkelnden Gläsern
Uniformen braucht es nirgends
Glaubt nur nicht,
das alles hätte nicht Platz
auf eines einzelnen Streichholzes Spitze

Dienstag, 18. Januar 2011

Jürgen Polinske: Für die türkischstämmige Brotverkäuferin in Berlin ...

... mit dem Namen
einer Pflanze, die die Griechen wegen ihres königlichen Duftes lieben
 
 
1.
Schon vor dem Kloster, hoch auf dem Felsen,
ist die Ordnung innen zu ahnen.
Der kleine Garten ist sehr gepflegt, Gemüse und Kräuter,
Kräuter, vor allem. Nur wenige Augenblicke verbleiben
bis uns die Schwestern den Eintritt frei geben.
Wir warten.
 
 
Eine der Schwestern führt ein Auto voll leerer Körbe,
wie selbstverständlich fährt sie an uns vorbei.
Einst waren nur Stege, nicht Straßen, zum Markt,
einzuhandeln woran es fehlt im Garten.
Im Korb am Seil kam alles hinauf.
 
 
Einst erhielten Wanderer, Besucher vom Kraut einen Stiehl,
mit Blüten manchmal, aber immer mit Duft,
ihn sich hinter ihr Ohr zu stecken; Geschenkter Frieden.
Sie lassen uns ein; Eine Schwester verkauft Karten.
 
 
2.
Neugier,
Neugierde ließ mich den hölzernen Deckel heben,
der auf der einen großen Vase im Klosterhof lag.
Enttäuschung: Ein Schippchen, Handschuhe, Chemie –
Gartengeräte; Für ein leichteres Leben?
 
 
3.
Reyhan ist um ihr freundliches Lächeln zu beneiden;
An ihren Namen, so sprach sie, hatte sie lange zu leiden,
bis sie erfuhr: Die Pflanze sei ein Schlüssel zum Paradies,
jenes, das der Prophet einst einmal allen verhieß –
Am liebsten schmeck ich deinen Brotduft um dich herum,
Reyhan, das türkische Wort klingt griechisch: Basilikum