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Montag, 16. Mai 2011

Mütter gegen den Krieg


So ist das leben
da stehn wir eben
denn niemand soll sein leben geben
für mächte, die die die netze weben,
zur treibjagd in die schützengräben.

Wer sich benutzen ließ für geld
der ist für uns der falsche held
ihm sei kein denkmal aufgestellt
er diente einer alten welt

Wir wolln für eine neue leben
so stehn wir eben
hier und nicht schweigend nur daneben
denn gegen hunger netze weben
heißt erstmal weg mit schützengräben


( Zur Erinnerung: Der Friedenslesungswettbewerb 2011 geht nun in seine heiße Phase)

Sonntag, 1. Mai 2011

Ich war Hochzeitsgast


All meine Brüder und Schwestern
lebten noch, gestern.
Wir hatten zu glücklichen Stunden
uns bei Walid zusammengefunden.
Eine Hochzeit bleibt stets unvergessen
und das nicht nur wegen Trinken und Essen.

Es gehört zu der Freude Stärken,
Gefahr im Moment nicht zu merken.
So öffnete Freudensalut
der Todesschüsse Flut.
Woher wohl die Fremden gekommen,
ihr Nahen hatte niemand vernommen.

Ich habe am Boden gelegen,
entging so dem Kugelregen.
Die Fremden blieben ohne Gesicht,
das mit menschlichen Worten spricht.
Ob nun deutsche oder englische Zunge
Ich wünsch ihnen Blei in die Lunge.

Vielleicht macht mein Schmerz einmal Pause,
sind die Fremden wieder alle zu Hause.
Doch das eine, das müsst ihr verstehen:
Ich könnt sie nicht hochzeiten sehen.


(Für die mit schlechtem Gedächtnis: Zu den "Kollateralschäden" im Afghanistankrieg gehörte mindestens ein Massaker an einer Hochzeitsfeier. Der Medienrummel um die englische Thronhochzeit veranlasste mich zu diesem Gedicht.)

Samstag, 23. April 2011

Slov ant Gali: Silvester-Sonett



Es ging ein taubes jahr spazieren
es sang so glücklich falsch sein lied,
wenns menschen, die beim exerzieren
und bomben werfen waren, mied.

Es stampfte durch zu hohe wellen
es ritt durch öl und wüstensand,
es strahlte in der menschen zellen
war selig, wenn es freunde fand.

Bald ist auch dieses jahr vergangen
wir sind am leben, wissend zwar,
dass ungestillt noch das verlangen
nach hörgeräten für ein jahr,

das kommt und bessre lieder bringt
und sie mit uns zusammen singt.

Donnerstag, 17. März 2011

Slov ant Gali: Vavarin 1

 
Bombermäuler brüllten
Still gestanden!
Denken
setze
aus!
 
Hoffnung auf
Gemeinschaft
verschiedener Völker
starb
mit entnommenen Organen
 
Heute ist
Bombendeutsch
wieder Weltsprache.
 
Denken
setze
ein!

Mittwoch, 16. März 2011

Slov ant Gali: Vavarin 2

 
Wo die Natur nackt ist
zerteilt sie sich selbst
durch reißende Ströme


Wo der Mensch denkend wird
baut er Brücken
über blinde Naturgewalt


Wo der Mensch aufhört
bombt er die Brücken
in die Urzeit zurück

Montag, 28. Februar 2011

Slov ant Gali: Von Strichelchen

Meine Deutschlehrerin
ärgerten mich
mit einem Kalauer:
Ein deutscher Kriegsminister
habe eine Depesche abgeschickt:
Aufhängen, nicht begnadigt!
Jemand habe das
Komma versetzt:
Aufhängen nicht, begnadigt!
Nur ein Strichlein
habe einem Menschen
das Leben gerettet.
 
Damals lachte ich:
Wir haben keine
Kriegsminister mehr.
Heute fürchte ich
einen Verteidigungsminister ...
 
"Verteidigungs"-minister.

Montag, 3. Januar 2011

Slov ant Gali: gleichberechtigung

gleichberechtigung
 
frauen
sollen die gleichen rechte
wie männer haben
sprach die eine
und fand
ihren platz
im schützengraben
gerecht

menschen
sollen die gleichen rechte
überall und jeder haben
sprach die andere
und begann
schützengräben
zuzuschütten

Sonntag, 2. Januar 2011

Slov ant Gali: Mütter gegen den Krieg

„Mütter gegen den Krieg“
 
So ist das leben
da stehn wir eben
denn niemand soll sein leben geben
für mächte, die die die netze weben,
zur treibjagd in die schützengräben.

Wer sich benutzen lässt für geld
der ist für uns der falsche held
ihm ist die denkmalsschrift bestellt
er diente einer alten welt

Und sollt die neue nicht erleben
hier stehn wir eben
die leben geben
die gegen hunger netze weben
kommt, schüttet zu die schützengräben

Samstag, 1. Januar 2011

Slov ant Gali: Im Friedensgrab

Im Friedensgrab
Großvater,
an der Ostfront
an wessen Tod
wurdest du
schuldig?

Wenn du nicht
im letzten Heimatwinter
von der Front
Hoffnung
gesetzt hättest
auf eine Familie,
wärest du
ritterbekreuzter Held und
nicht Vater meines Vaters
geworden?
 
Hast du
jenes künftigen Leben wegen
den wenigen,
denen du
etwas raten durftest,
geflüstert,
kommt aus dem Fronturlaub
nicht wieder?
 
Diesen Moment Vater
möchte ich
wurzeln
damit
deinen Enkel
niemand
nach der Ostfront
fragt.
 
Du schweigst weiter.

Freitag, 31. Dezember 2010

Slov ant Gali: Prag 68

Prag 68
 
Panzerrohrmäuler brüllten
in macht-
vollem ton
Still gestanden!
Denken
setze
aus!

Stahlgesäter nutzen
starb
einundzwanzig jahre
später

Da brachte
noch
kein panzer
der welt wieder
deutsch bei 

Heute ist
Panzerdeutsch
weltsprache.

Denken
setze
ein!

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Slov ant Gali: Heckler & Koch

heckler & koch
  
das gewehr
ist nicht schuldig
geschäftsführer
reiben sich
die hände
kugeln
lassen
kassen
klingeln
das gewehr träumt
gut geölt
von staunenden
kindern im
heimatmuseum

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Slov ant Gali: Zapfenstreich

Zapfenstreich
 
Richt´ euch!
Präsentiert das
Gewehr!

wegsehnenswert
solche
MÄNNER
machenden sprüche

dinokreidevorzeitlicher
unkrautstolz
gedient zu haben

ein gewehr
präsentiere ich
nicht

Dienstag, 28. Dezember 2010

Slov ant Gali: Hätte Deutschland gesiegt

hätte Deutschland gesiegt
 

in allen zeitungen würden wir lesen
gleiwitz das seien die polen gewesen
in ihrem slawischen untermenschwesen
ein paar kasernen hätten andere namen
weil mehr kämpfer fürs reich ums leben kamen
und der germane wäre durch sauberes blut
edel und gut


von den russen würden wir erfahren
sie warn bolschewisten vor vielen jahren
diese jüdische krankheit wäre längst schon besiegt
sie hätten was sie verdient gekriegt
der zapfenstreich wäre wahrscheinlich derselbe
ob am reichstag am amur ob an der elbe
und auch am hindukusch würde am deutschen wesen
die welt genesen



wer die macht hat im staat
scheut vor keiner tat
die wahrheit in seinem sinn zu zerklauben
das ihn störende fälschen und beweise zu rauben

also hört endlich auf den medien zu glauben
und lasst sie fliegen eure friedenstauben 

Samstag, 25. Dezember 2010

Slov ant Gali: Yasukuni-jinja

Yasukuni-jinja
 
Im Schrein des Friedlichen Landes
ehrt man Mörder
an fremden Völkern
als Helden 
in der Tradition der Schwerter
vor denen sich alle Arbeit beuge
 
Ein Herr zu Übergestern
sagt Sagt doch endlich Krieg
Auch in unserem Schrein
des Friedlichen Landes
sollen Mörder die ich schickte
wieder Helden heißen.

Freitag, 24. Dezember 2010

Slov ant Gali: NO NATO

 
der erwünschte terrorist
lädt sich
behördlich beobachtet
bombenbaupläne
aus dem netz
und explodiert
bei ihrer erprobung

als beweis
permanenter bedrohung
unserer festung freiheit
erobert er die
BILD seite 1

ich lade
vielleicht auch
behördlich beobachtet
friedenskleiderschnittmuster
aus dem netz
und explodiere nicht
bei ihrer erprobung
 
uniformen
wie hässlich
zerfallen
im moder der zeit

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Slov ant Gali: Bert Brechts Der Rauch bekommt Im Krieg eine andere Bedeutung ...

 
Das kleine Haus

Unter Bäumen am See

Vom Dach steigt Rauch
(Fehlte er)
Wie trostlos (dann wären)

Haus, Bäume und See

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Slov ant Gali: Ein Prost allen alten Kameraden

 
Wenns um mich mächtig dröhnt,
wir sind dabei gewesen,
dann wird der Krieg geschönt,
und´s fließt und schäumt am Tresen.

( Wann bin ich endlich tot
als Sieger voll Promille
wann endlich sinkt mein Lot
auf absolute Stille. )

Bei Kurzem und beim Bier
ging mir der Geist abhanden,
bekenn ich bis um vier,
dass ich die Welt verstanden.

Nun hat es mich entschieden,
ich steh nicht auf zum Lauf
und was da fließt in Frieden
nimmt meine Hose auf.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Slov ant Gali: Fronturlaub

 
 
Ich

Ich bringe

Ich bringe um

Ich bringe nicht um

Ich bringe nicht Menschen um

Ich bringe nicht mehr Menschen um

Ich bin nicht mehr Mensch

Ich bin nicht Mensch

Ich bin nicht

Ich bin

Ich

Montag, 20. Dezember 2010

Slov ant Gali: Ins Bild gelaufen

Gebranntes Kind Kim Phuc …

 Fotos
entfliehe ich.
Wenn das Wetter stetig ist,
kommt die Luft leicht und
die unsichtbaren Narben
schlafen. 

Dem Piloten,
dessen Last mich nicht ganz
verfehlte,
gab ich die Hand.
Nachts
jagt ihn
mein schreiender Kinderleib;
er hat ihn
gesehen!

 

 … und Kommandeur John Plummer

Manchmal
schließe ich
meine Augen
um die Mittagsstunde
und ringsum spielen Kinder
mit Vätern
ohne Schuld.

Freitag, 17. Dezember 2010

Slov ant Gali: mein rosengedicht

 
und wenn es
ein rosenkranz sein müsste
so betete ich
endlose ketten für
knoten in rohren
verglühende drohnen
unausklinkbare bomben
 
 
und weil
es kein rosenkranz ist
der hilft
wünsche ich mir
rosenworte
für mein rohrkrepierergedicht
und dass
deine sinne
noch wach sind